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AQUILA Aviation by Excellence AG
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Schöner zahmer Adler

Das Projekt Aquila A 210 / Flugbericht von Dieter Vogt
in: FAZ Technik und Motor, 5. Dezember 2000

Mit großen Erwartungen fuhren wir ins Land der Teltower Rübchen, aber natürlich nicht zu den Rübenbauern, sondern zu den Flugzeugbauern. Der Landeplatz liegt südlich von Berlin und hat den schmeichelhaften Namen Schönhagen. Es gibt dort noch alte, dunkle Fliegerschulgebäude der DDR, und gleich daneben die ersten Hochglanzfassaden der neuen deutschen Gründerzeit. In diesem Jahr entstand eine Produktionshalle für die Aquila 210. Ein Leichtflugzeug, das man zu Schönheitswettbewerben schicken kann. Als der Prototyp auf der Luftsportmesse Aero `99 in Friedrichshafen erschien, war er sogleich umschwärmt.

Am 5. März 2000 zeigte die Aquila in Schönhagen, dass sie nicht nur hübsch herumstehen kann. Testpilot Heiner Neumann kehrte vom Erstflug mit den Worten zurück, so leicht wie die Aquila habe es ihm noch keine gemacht. Seitdem war sie 220 Stunden in der Luft. Den größten Teil des Pflichtprogramms für die Musterzulassung hat sie hinter sich. Nun bekam sie einen Tag frei für eine kleine Kür. Wer sich schon einmal in ein funkelnagelneues Flugzeug setzen durfte, kennt ja das gewisse Herzklopfen vor dem Start. Übrigens gibt es nur dieses eine Exemplar der Aquila. Es repräsentiert ungefähr 2,2 Millionen Mark Entwicklungskosten – eine Summe, die geeignet ist, den Puls des Piloten noch mehr zu beschleunigen.

Die Aquila ist das Werk dreier junger Diplomingenieure. Sie haben sich von ihrem Studium an der Technischen Universität Berlin ermutigen lassen, eine alte Frage neu zu beantworten. Wie baue ich ein Leichtflugzeug, das schneller, sparsamer, leiser und womöglich preisgünstiger ist als all die Modelle von gestern und heute? 1995 fing fingen sie an. Alfred Schmiderer, Peter Grundhoff und Markus Wagner setzten sich an ihre Computer und konstruierten einen zweisitzigen Tiefdecker, geeignet für Training und Reisen. Die Aquila ist ein Kind elektronischer Entwurfs- und Fertigungstechnik. Sie besteht überwigend aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Zeitgemäß landete sie in der neuen Motorflugzeugkategorie VLA (Very Light Aircraft) mit vereinfachter Zulassung.

Es ist kein Wunder, dass die Computer nach der Abwägung aller Wünsche ein Flugzeug auswarfen, das eine ferne Verwandtschaft mit der Diamond Katana nicht verleugnet. Die österreichische Katana war die VLA – Wegbegleiterin. Die brandenburgische Aquila hat trotz der Anklänge an die Konkurrentin ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Sie dankt es vor allem der Flügelform: einem Dreifachtrapez mit zurückweichender Vorderkante. Das sah man bisher nur bei Dornier und beim Discus. Die Tragfläche in Sandwichbauweise hat eine Kohlefaserholm; ihr Laminarprofil wurde maßgeschneidert. Die Flügelenden sich zu Winglets, die nicht nur eine modische Floskel sind. Das Kreuzleitwerk hat eine wohlgeformte Seitenflosse von beruhigender Größe.

Aussehen und Leistungsdaten versprechen ein sportliches Fluggerät. An die Sportlichkeit der Piloten werden dabei nur geringe Anforderungen gestellt, ist doch der Einstieg über den Flügel sehr bequem. Auch wer schon in die breiteren Jahre gekommen ist, findet Platz genug, um sich und seine Navigationskarte zu entfalten. Die geräumige Kabine gibt der Aquila aus mancher Perspektive ein leicht schwangeres Aussehen. Man sitzt nebeneinander unter einer Haube mit exzellenter Rundumsicht. Die Anordnung der Armaturen ist noch nicht endgültig. Aber wir bekommen eine vorbildliche Checkliste, nach deren Lektüre wir langsam zur Startbahn 25 rollen. Das gesteuerte Bugrad hält gegen einen strammen Seitenwind akkurat die Mittellinie. Außer den Fahrwerkschwingen, robusten Blattfedern gibt es nicht viel Metall an diesem Flugzeug. Schon beim Gasgeben hat man völlig vergessen, dass die Aquila ein absoluter Neueinsteiger am Himmel ist. Sie reagiert unheimlich normal. Das spricht für sie. Unter der Haube hat sie den Klassenprimus unter den leichten Vierzylinder-Motoren, den Rotax 912S. Die Leistung (73 kW/ 100 PS) wird auf einen hydraulisch verstellbaren Propeller übertragen. Nach knapp 200 Meter Rollstrecke kann man das Bugrad heben, und die Aquila steigt weg. Das Variometer hält sich an den Werbeprospekt: 4,80 Meter in der Sekunde. Über der ereignislosen, von großen Wäldern bedeckten märkischen Landschaft gehen wir auf Südkurs. Im Reiseflug (75 Prozent Leistung) erreicht die Aquila etwa 235 km/h. Für diese Geschwindigkeit wurde eine Reichweite von 1380 Kilometer errechnet. Die beiden Flügeltanks fassen je 60 Liter, wahlweise Flug- oder Autosuperbezin.

Zu den besten Errungenschaften des moderne Flugzeugbaus gehört die Gutmütigkeit seiner Produkte. In der Aquila kann man sich kaum noch vorstellen, mit welchen Tücken frühere Flugzeuggenerationen ihre Piloten erschrecken konnten. Mit gezogenem Knüppel durchpflügt man die Luft im Sackflug und liest auf dem Fahrtmesser 80-85 km/h ab. Eine eindrucksvolle Demonstration der Langsamkeit. Es ist die besondere Flügelgeometrie, die zusammen mit Fowlerklappen und Winglets den Strömungsabriss hinauszögert. Allerdings dürfen wir weitere Grenzflugzustände beim jetzigen Entwicklungsstand der Aquila nicht herbeiführen.

"Es braucht Mut", schrieb der "aerokurier" beifällig über das Projekt. Und es braucht Geld. Schmiderer, Grundhoff und Wagner gründeten 1996 die AQUILA Aviation by Excellence AG, deren Geschäftsführe sie wurden, und bezogen ein leerstehendes Gebäude am Flugplatz Schönhagen. Sie bekamen Fördergelder des Landes und des Bundes. Bevor noch der Vogel geschlüpft war, gab es auch Zeichen der Anerkennung. Beim Wettbewerb des Landkreises Teltow- Fläming ( "TF innovativ `99") landeten sie auf dem ersten Platz. Auf den Existenzgründertagen in Berlin wurden sie Landessieger. In der neuen Halle, die mitsamt Büros 2,9 Millionen Mark gekostet hat, fängt nächstes das Geldverdienen an. Derzeit werden die Formen für den Serienbau gefräst. Sollte sich das lebhafte Interesse der Fliegerwelt in Kaufverträgen niederschlagen, können bis zu 50 Flugzeuge im Jahr geliefert werden. Den zunächst angesetzten Nettopreis musste man indessen korrigieren: 220 000 Mark.

Aquila, der Adler. Wir kreisen über der Hauptstadt des Landes, das den Adler im Wappen hat. Ist ein Raubvogel der richtige Namenspatron für einen Wandervogel? Die Aquila vereint scheinbar gegensätzliche Eigenschaften: Temperament und Gutmütigkeit. In ihren Leistungen übertrifft sie herkömmliche E-Klasse-Zweisitzer. Und bietet, was noch bemerkenswerter ist, auch deren Reisekomfort. Kurz vor Sonnenuntergang rollt die Aquila in Schönhagen aus. Wahrscheinlich hat man sie bei diesen Lärmgrenzwerten gar nicht kommen hören. Im Schlepp eines Autos überquert sie das noch unbebaute, aufgewühlte Flugplatzgelände und kehrt in ihre Halle zurück. Demnächst sollen viele Aquilas den umgekehrten Weg nehmen.

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